Lucía Falconí

 

 

 

 

 

 

 

 

»my sweetest taboo«  2011 ·  Öl auf Holz · 30 X 28 cm
»my sweetest taboo« 2011 · Öl auf Holz · 30 X 28 cm

 

 

 

Lucía Falconís Kunst ist nicht nur eine schöne und kraftvolle Einladung zum Erleben der Poesie der Bilder, sondern auch eine Aufforderung zur Ergründung des sinnlichen Objekts als solchem und vor allem des Geistes der Künstlerin.

 

Diese ecuadorianische, in Europa ausgebildete Künstlerin schafft in der Tat Objekte, die in zwei und drei Dimensionen und gar zeitgleich bestehen, und uns zu einem großzügigen, magischen Spaziergang durch die Landschaften ihrer eigenen Natur einladen.

 

Diese ergreifenden Objekte sind sowohl kühn als auch schüchtern, üppig und verhalten, kraftvoll und sensibel. Ihre Vielseitigkeit spiegelt sich in verschiedenen Materialien, ganz unterschiedlichen Dimensionen, komplexen und arbeitsaufwendigen Prozessen, oder auch spontanen Gesten wider. Sie sind von einer überraschenden Natürlichkeit, von Geschicklichkeit und intellektueller Erlesenheit geprägt.

 

Diese poetischen Objekte, die alte und neue Welten verbinden, verkörpern einen außergewöhnlichen Blick, der von innen nach außen und außen nach innen gerichtet ist, einen Blick, der sich freimacht, um unser Bewusstsein von Vergangenheit und Gegenwart, von Wirklichkeit und Vorstellung zu verändern.

 

 

Ileana Viteri

 


 

»Lo agarraron 1942« 2011 · 48 x 40 cm
»Lo agarraron 1942« 2011 · 48 x 40 cm

 

 

 

 

Eine beredte Ambivalenz

 

Die Werke Lucia Falconis bewegen sich in ihrer unorthodoxen, eindeutigen Schönheit an der Grenze zwischen großer Kunst und ornamentaler Kunst. Das Spiel mit modernistischen Tabus, die Gegenüberstellung von Tiefgründigem und Oberflächlichem, die Vermischung künstlerischer Konventionen mit dekorativen Ansätzen, die der ungezwungenen Anziehungskraft des Schönen und absichtlich Kitschigen dabei keineswegs aus dem Weg geht, scheinen die Künstlerin bei ihrer zeitgenössischen Arbeit zu motivieren. Die sinnliche Eleganz ihrer Werke ist stets eine greifbare Freude – die Freude am Schaffen, die Freude des Sicht-selbst- Kennens, und das Vergnügen des Sich-selbst-Wiederfindens in einer Welt, die über das Alltäglich hinausgeht. Ihr Schaffensprozess ist jedoch weder naiv noch unüberlegt. Er ist merkwürdig intim und von einer emotionalen Empathie geprägt und bewegt sich zwischen Ideen und Gefühlen, zwischen Intuition und einer von rationaler, fundamentierter Distanz geprägten Taxierung des Geschaffenen.

 

Ihre Arbeiten sind die Synthese verschiedener Elemente, die aus zahlreichen formalen und bildnerischen Quellen stammen. Diese paradoxe Vielfalt kombiniert informelle Abstraktion und Naturalismus, Malerei, Bildhauerei, Zeichnung und botanische Illustration, präkolumbische Kunst und Barock. Damit stellt sie Begriffe wie Tradition, Avantgarde und akademische Kunst kunsthistorisch mit der von ihr verwendeten zeitgenössischen Thematik in Frage. Ihre großen Wandgemälde lassen an die tropische Vegetation des Amazonasurwalds denken. Sie schafft All-Over-Kompositionen mit einem transparenten Flechtwerk aus naturgetreuen Zeichnungen, abstrakten Figuren und großflächig gemalten Blättern, die sich mit ihrer pflanzlichen Üppigkeit zu dreidimensionalen bemalten Keramikblüten weiterentwickeln. Wie bei ihren großen Skulpturgruppen mit bemalten Blättern aus Glasfaser, geht ihre vor Ort durchgeführte Malerei bewusst einen Schritt weiter, indem sie Skulpturen integriert und hybride Elemente schafft.

 

Die drei runden Reliefs der Serie ¡Yasuní, Oh Yasuní! mit ihrer feinen, gezierten Malerei und den fragilen Porzellanrahmen, die unter der scheinbaren Schönheit die Brutalität des grenzenlosen Ehrgeizes der Eroberungen, der Ausbeutung des Erdöls und angeblichen Schutzversprechen für diesen inzwischen wegen seines Natur- und Ölreichtums weltbekannten Nationalpark aufdecken, schaffen stillen Aufruhr. Nur einem ganz aufmerksamen Beobachter wird es gelingen, die trügerische Oberfläche, die uns die Künstlerin liefert, zu durchdringen. Dieser Blick führt uns zurück zur Betrachtungsweise der traditionellen Malerei, die Nähe und Gründlichkeit erfordert, und stellt das zeitgenössische Sehen, das breitere Horizonte gewohnt ist, auf die Probe.

 

Die äußere Erscheinung extremer Schönheit und die intime Annäherung an die Oberfläche verweisen den Betrachter oft auf eine Verletzung. Besonders deutlich wird dies bei der metaphorischen und beschwörenden Kraft von Werken wie My Sweetest Taboo, das eine ihre rätselhaftesten und von besonderer Qual geprägten Arbeiten ist. Ein gefundener Rahmen unterstreicht die Intensität des Gemäldes, das bis zum respektlosen Extrem des Dekorativen ausgereizt ist. Mit fast geometrischer Klarheit zeichnen sich die von direktem Licht überfluteten Orchideen vor dem undurchdringlichen schwarzen Hintergrund ab und beschwören damit ein Stillleben spanischer Tradition herauf. Die besessene Intensität, mit der die Blumen bis ins letzte Detail dargestellt sind, verleiht ihnen in ihrer Isolierung eine ekstatische, monumentale Körperlichkeit und lässt sie paradoxerweise in ihrem natürlichen Zustand zerbrechlich wirken. Dieses Gemälde ist in einem Moment der Verlorenheit und Zerrissenheit der Künstlerin entstanden.

 

Objets trouvés sind Teil der Arbeit Donde están las raíces (Wo sind die Wurzeln). Sie verweisen auf die Brüche und Widersprüche der Identitätsfindung, indem sie zu Elementen unterschiedlicher Herkunft greifen, die verschiedenen visuellen und kulturellen Traditionen entstammen. Eine Blechschüssel mit klassizistischen Figuren, christlichen Darstellungen und Elementen aus der griechischen Mythologie, sowie der Abguss eines präkolumbischen Deflorationsgeräts, spielen auf die drei wichtigsten Kulturkreise der Künstlerin an. Die Verwendung und Manipulierung vorhandener Gegenstände und historischer Modelle in manieristischer Abwandlung entwickeln in Lucia Falconis Werken eine eigene emotionale und intellektuelle Kraft. Durch die Verbindungen und Hybridformen der verwendeten Medien entsteht Spannung. Skulptur, Malerei und Zeichnung werden in einem ständigen Spannungsverhältnis zu den Konventionen der Kunst und der Darstellung der ornamentalen Kunst prominent in Szene gesetzt. Die Künstlerin macht damit den Weg für eine beredte Ambivalenz frei.

 

 

Monica Vorbeck

Kunsthistorikerin

Unabhängige Kuratorin

 

 

 

 

 

 


 


1962 Geboren in Quito Ecuador

1993 Geburt der Tochter María Emilia

1995 Geburt des Sohnes Andrés

2000 – 2007 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München

 

Gruppen Ausstellungen (Auswahl)

2010 Platform3, München //„La mata que no mata“ Galerie Siraguya, Berlin

„Imagine“, Neustadl, Oberdarching, Oberbayern

2009 Plattform3, München // Produzenten Kunstmesse, White Box, München

2008 „Bitte Schön“, Ausstellungshalle für Zeitgenössische Kunst, Münster

Die ersten Jahre der Professionalität, Galerie der Künstler, München

2007 Produzenten Kunstmesse, Praterinsel, München

2005 – 2006 Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste, München

2005 Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München

2003 Galerie B2, Leipzig // National University of Fine Arts and Music, Tokyo

MUC-TOK,Akademie der Bildenden Künste, München

 

Einzelausstellungen

2010 Galerie Zisko, München // Artothek, München // Kirche am Hohenzollernplatz, Berlin
2009 Casa Villacís, Quito, Ecuador

2008 Galerie Goethe 53, München

2007 Akademie Galerie, Ludwigstr, München // Galerie Zisko, München

2006 Galerie Fuxx, Walchensee, Oberbayern

 

Preise und Auszeichnungen

 

2010 Atelierf örderung der Stadt München

2008 Georg-Meistermann-Stipendium des Cusanunswerks

2007 Atelierförderung, Regierung von Oberbayern // Projektstipendium der Stadt München

E.ON Auszeichnung für beste Absolventin
der Akademie der Bildenden Künste, München

2005 1. Preis klasseninterner Danner-Wettbewerb

2004 Oskar-Karl-Forster-Stipendium-Fonds. Material Förderung

Preis klasseninterner Danner Wettbewerb

Ernennung zur Meisterschülerin

2003 Stipendium der Begabtenförderung des Cusanuswerk

2002 Ehren Preis Danner-Stiftung

2001 Preis klasseninterner Danner-Wettbewerb

 

Sammlungen

 

Kunstsammlung des Europäischen Patentamtes, Den Haag

Private Sammlung London

Private Sammlung Ecuador

Sammlung BMW, München

Sammlung der städtischen Artothek, München

Sammlung Druckhaus Kastner, Wolnzach

Sammlung Stiftung St. Matthäus, Berlin

 

Kuns am Bau

 

Förderverein Nachtbarschaftlichen Leben für Frauen Wohnen im Alter, München

Prazxisgemeinschaft am Altheimer Eck 13, München



 

www.luciafalconi.de