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Pressemitteilung zur Ausstellung /2012 in München zum Download
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GALERIE DER KÜNSTLER 

                                                                                                                       BERUFSVERBAND

                BILDENDER KÜNSTLER MÜNCHEN

                                                                                                                   UND OBERBAYERN e.V.

Presseinformation

 

Pangaea. Künstlerischer Austausch München - Quito 

 

Juana Córdova . Lucía Falconí . Isabel Haase . Monika Humm . 

Nicolás Kingman . Ralph Kistler .  Fabiano Kueva . Wolfgang Stehle

 

Vernissage:                  Freitag,  09. März 2012, 18 - 21 Uhr  

                                                  mit Performance von Fabiano Kueva

   

Ausstellungsdauer:          10. März bis 13. April 2012

Künstlergespräch:            15. März 2012, 18 Uhr 

Öffnungszeiten:                 Mittwoch, Freitag bis Sonntag 11-18 Uhr, Donnerstag 11-20 Uhr. 

                                                 An Feiertagen ist die Galerie geschlossen

 

Begrüßung:                      Martina Bieräugel, 3.Vorsitzende des BBK München und

                                                 Oberbayern e.V.  in Vertretung von Klaus von Gaffron

Grußwort:                         Seine Exzellenz, Jorge Jurado, ecuadorianischer Botschafter 

 

 

Mit der Ausstellung Pangaea Künstlerischer Austausch München – Quito ist der Berufsverband Bildender Künstler München und Oberbayern e. V (BBK) dieses Jahr Gastgeber eines einzigartigen Projekts künstlerischer und interkultureller Zusammenarbeit. Initiiert von den Künstlerinnen Lucía Falconí und Monika Humm haben acht ecuadorianische und Münchner Künstler dem Geiste Alexander von Humboldts nachgespürt, dessen Vermessung der Welt ihn 1802 nach Ecuador führte. Die Arbeiten, die ab März in der GALERIE DER KÜNSTLER zu sehen sein werden, unterscheiden sich nicht nur durch die gezeigten Medien, auch die thematische Umsetzung ist äußerst vielschichtig. So versuchen die Arbeiten beispielsweise eine Reinszenierung des Forschers und seiner Methoden, eröffnen einen besonderen Blick auf die Spannungen und Auswirkungen der Geschichte oder untersuchen das komplexe Verhältnis zwischen Zivilisation und widerständiger Natur.

 

 

Juana Córdovas Rauminstallation eines Chinarindenbaums ist eine poetische Reflektion über die Auswirkungen des Kolonialismus. Der  Baum, dessen Rinde zur Herstellung von Chinin verwendet wird und dessen Wirkung in Humboldts Beschreibungen als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen der Epoche Erwähnung fand, existiert in den Anden, der Heimat der Künstlerin, nicht mehr. Zu radikal wurde sein Abbau zur medizinischen Verwendung betrieben. Córdova hat den Chinarindenbaum nun in absoluter Detailtreue bis zum Blütenstempel aus Papier, Draht und Pappmaché nachgebaut. 

 

Juana Córdova wurde 1973 in Cuenca, Ecuador geboren. 1992 – 1997 Studium an der School of Visual Arts, University of Cuenca. Abschluss Bachelor of Visual Arts. 

 

 

 

 

Lucía Falconí greift in ihrer Arbeit Elemente des ecuadorianischen Kunsthandwerks auf. Ihre Objekte erinnern an die getrockneten Calabazaschalen, die – durch Brandmalerei verziert –  traditionelle Gebrauchsgegenstände sind. Die Künstlerin entfremdet diese Tradition jedoch: Die zehn Objekte im Ausstellungsraum sind Prozellanabgüsse, auf denen Falconí Szenen der Humboldt’schen Reisezeichnungen wiedergibt, deren Erscheinungsbild die klassische Technik nur zitiert und so die Spannung zwischen dem folkloristisch anmutenden Objekt und den europäisch geprägten Inhalten herausstellt. 

 

Lucía Falconí wurde 1962 in Quito, Ecuador geboren. 2000 – 2007 Studium an der Akademie der bildenden Künste München. 2007 Diplom in der Klasse für Keramik und Glas.

 

 

 

 

Die Rauminstallationen von Isabel Haase erschaffen surreale, abstrakte Welten. Mit „voy a estar en casa para la cena“ zeigt die Künstlerin Bilder veränderter Landschaften, die sich aus historischem, aktuellen, wie auch eigenem Material zusammensetzen und durch bewegtes Schilfgrass projiziert werden. So eröffnet Haase den Blick auf eine andere Wirklichkeit. Ein kleines Flugzeug, das seinen Schatten auf die Projektion wirft, funktioniert dabei als ein Zugang in diese unwirkliche Umgebung, die nur noch schemenhaft auf menschliche Zivilisationen verweist.

 

Isabel Haase, 1975 geboren in Wien. 1995 – 1998 Ausbildung zur Schauwerbegestalterin. 1998 – 2005 Studium an der AdBK München bei James Reineking und Hermann Pitz. Meisterschüler bei Olaf Metzel. 2005 Diplom.

 

 

 

  

Monika Humms großformatige Malereien sind abstrakte Übersetzungen eigener Naturerfahrungen. Die Landschaften, die Humm in der „going on“ Serie immer wieder neu umsetzt, sind durch eine überwiegend schwarz, weiß und grün gehaltene Farbigkeit bestimmt. Bemerkenswert ist dabei die räumliche, wie auch zeitliche Tiefe, die durch die nacheinander aufgetragenen Farbschichten entsteht. In der Galerie der Künstler verlässt die Künstlerin den traditionellen Bildträger und fertigt eine großflächige Arbeit an einer Wand des Ausstellungsraums an, die auf die Objekte im Raum reagiert.

 

Monika Humm wurde 1962 in Bad Griesbach im Rottal geboren. 2002 – 2003 Studium der Kunstgeschichte an der LMU, München. 2003 – 2007 Studium der Malerei und Grafik an der AdBK, München. 2007 Diplom.

 

 

 

  

Der Fotograf Nicolás Kingman zeigt Alltagssituationen in Ecuador und Deutschland. Seine Bilder beschreiben einen Fotojournalismus, der trotz der Schönheit der Motive nicht den politischen Anspruch vergisst: Die ecuadorianischen Aufnahmen zeigen vom westlichen Fortschritt bedrohte Orte und Traditionen und verweisen auf die Vergänglichkeit einer spirituellen Welt. In München wird Kingman seine Beobachtungen fortsetzen und untersuchen, inwieweit sich Kulturen, abhängig von ihrer natürlichen und historischen Umgebung, verschiedenartig entwickelten. 

 

Nicolás Kingman  wurde 1980 in Quito, Ecuador geboren. 2002 – 2005 Ausbildung zum Fotografen an der Andy Goldstein Schule für kreative Fotografie und zum Art Director an der „Asociación Argentina de Agencias de Publicidad Buenos Aires“, Argentinien. 

 

 

 

 

Ralph Kistler überträgt die Humboldt’sche Einordnung und Kategorisierung von Natur auf unsere heutige Zeit. Dabei erforscht und untersucht der Künstler allerdings keine Pflanzen,  sondern fokussiert seinen beobachtenden Blick auf soziale Netzwerke und Gruppen. Die Videoarbeit „Social Netwalks“ zeigt eine Datenerhebung eines Dorfplatzes, in der Kistler die Passanten anhand ihrer äußeren Merkmale – etwa dem Mitführen von Hunden – in verschiedene, ästhetisch angelegte Gruppierungen einteilt und so eine Enzyklopädie der Bewohner anlegt.

 

Ralph Kistler wurde 1969 in Olching geboren. 2003 Kunstdiplom an der Universität von La Laguna, Spanien. 2006 Master für Public Art and New Artistic Strategies, an der Bauhaus-Universität, Weimar. 

 

 

 

 

Die Arbeiten von Wolfgang Stehle beschäftigen sich oftmals mit dem Verhältnis von Natur und Kultur. Sie zeigen den Versuch eine Wildnis zu ordnen, die sich diesen zivilisatorischen Bemühungen widersetzt. Für Pangaea unternimmt Stehle nun den Versuch, Natur zu domestizieren und für die Besucher begehbar zu machen. Einem aufgebauten Kiesweg stellt der Künstler dabei einen grün lackierten Handlauf entgegen. Dieser entwickelt ein Eigenleben, das sich dem vorgegebenen Verlauf nicht anpasst, sondern eine eigene organische Form bahnt und ein Begehen des Weges letztlich verhindert.

 

Wolfgang Stehle wurde 1965 in München geboren. 1991 – 1994 Ausbildung zum Holzbildhauer. 1995 – 2001 Studium an der AdBK, München. 2001 Diplom, 2002 MA am Chelsea College of Art & Design. 

 

 

 

  

Fabiano Kueva zeigt in seiner Videoarbeit „Humboldt 2.0“ eine intelligente, wie humorvolle Aneignung der Figur Humboldts. In einer Geste der Subjektwerdung inszeniert sich der ecuadorianische Künstler in Kleidung, Geste und Position des deutschen Naturforschers und verweist so unter anderem auf die einheimische Bevölkerung, die in Humboldts Bildern zum bloßen Bildhintergrund wurde. Kueva übernimmt den Körper des anderen und markiert den sammelnden  Forschungsreisenden als Anfangspunkt eines modernen Kapitalismus.

 

Fabiano Kueva wurde 1972 in Quito, Ecuador geboren. 1991 – 1995 Studium an der Universidad Central del Ecuador (Social Communication). Seit 1995 Mitglied von Centro Experimental Oído Salvaje (Sound- & Experimentalradiokollektiv).

 

 

 

 

 

www.pangaea-mq.com     

facebook:   Pangaea: Künstlerischer Austausch München – Quito

 

Kuration   Lucia Falconi, Monika Humm

 

Text            Anja Lückenkemper

 

 

 

Kontakt   Anja Lückenkemper   I  mobil  + 49 (0) 177 7.462.462   

                                                   I  email  anja.lueckenkemper@gmail.com

                      Doris Schechter       I  mobil   +49 (0) 172 8.904.165  

                                                   I  email  dschechter@bbk-muc-obb.de

 

 

GALERIE DER KÜNSTLER

Maximilianstraße 42  I  80538 München  I  Telefon  089 220463  I  www.bbk-muc-obb.de

 

 

 

Süddeutsche Zeitung vom 13.03.2012

Antje Weber: Humboldt und die dürre Kuh